Man kann auch mal Glück haben [SoSo] | #flussnoten

Wir sitzen auf der Matte, im Gras, satt, sauber, glücklich und dankbar für diese vergangenen drei Wochen. Morgen werden wir das Rheindelta am Bodensee erreichen und von da aus nach Hause fahren – im Zug. Vielleicht gar ein bisschen schifffahren – mal schauen.

Früh sind wir erwacht heute und aufgestanden. Nach dem rituellen Wach-Kaffeetrinken haben wir ungefrühstückt den Platz vor dem Bauernhof geräumt und sind ins Dorf spaziert. 

Lauschiges Montlingen. Erwachend. Am Dorfplatz schließlich das perfekte Frühstücksidyll. Dorfbrunnen mit Bänken, daneben der Allesladen mit Bäckerei, dahinter die Kirche mit Klo für eine kleine Wäsche. Frisch gestärkt und erfrischt lassen wir und rheinwärts treiben. Wie anders doch Dörfer als Städte sind. Selbst das Industriegebiet mit einer Palettenproduktionsstätte ist eher pittoresk denn hässlich. Und da sind Pferde, viele Pferde, die neugierig näher kommen.

Am Rhein schließlich meist tolle Wege. Ein frisches Lüftchen macht die wachsende Hitze erträglich. Und ein paar freundliche Wolken. Keine mit Regen im Bauch, zum Glück. Unter Brücken – und es gab einige – rasteten wir sonnengeschützt eins um andere Mal.

Wie oft ich heute wohl zu Irgendlink gesagt habe, wie froh ich bin, nicht in Buchs in den Zug gestiegen zu sein? Ich weiß es nicht. Die Wetterprognosen waren anfangs Woche ja ziemlich schlecht. Was für ein Glück, dass es sich gewendet hat. Auch die Wege haben sich besser entwickelt, als ich dachte. Klar gab es Teerstraßen, insbesondere in den Orten, die wir des Einkaufens wegen besucht hatten, aber ansonsten: Abwechslungsreicher als erwartet. Immer wieder werde ich vom Leben eines Besseren belehrt.

Ja, wir sind gut vorangekommen heute. Trotz der vielen Pausen.

Irgendlink fotografiert ein Grafitto.

Kurz vor fünf entscheiden wir uns, im Ort Au, links des Rheins und der Autobahn, einen Lagerplatz am nördlichen Ortsausgang zu suchen.

Nach einem kleinen Einkauf queren wir das Dorf und verirren uns in die westlichen Villenquartiere. Am Hang. Alles privat. Meine gute Laune sinkt. Es ist heiß. Wir sind nach etwa fünfzehn Wanderkilometern sehr müde und setzen uns schließlich auf eine Wiese oberhalb des Ortes. Eine Hütte und landwirtschaftliche Fahrzeuge stehen da. Ungefragt Wildzelten auf Privatgrundstücken wollen wir aber eigentlich nicht. Wir sind aber so müde und die Wiese perfekt.

Ich gehe ohne Rucksack zu den nächsten Häusern und frage nach dem Namen des Landbesitzers. Er wohne im Nachbarort, erfahre ich. Ich finde ihn aber leider nicht im Telefonbuch.

„Da unten,“ sagt der Gefragte, „da unten (nochmals zweihundert Meter weiter) wohnt ein Bauer mit Land. Dort können Sie bestimmt fragen und zelten.“

Zurück bei Irgendlink überlegen wir kurz und wollen schon weiterwandern, als der Bauer „unserer“ Wiese vorbeikommt und uns seine Wiese als Nachtlager anbietet. Inklusive Wasserhahn. Nachdem das Zelt steht, füllen wir den Wassersack und hängen ihn in die mächtige Linde.

Genüssliches letztes Mahl, danach eine köstliche kalte Dusche. Ja, man kann auch mal Glück haben.

Unser Menü: Halloumi, Reis und rote Beete-Salat

Zuweilen ist mir, als hätte ein Engel unsern Weg vorbereitet.

Und auch ihr da draußen, die ihr mitfiebert, mitleidet, euch mitfreut, seid unverzichtbare Brückenpfeiler. Für jene, die uns besonders unterstützt haben – auch finanziell – hat Irgendlink wieder ein Monument des Dankes auf einen Brückenpfeiler gemeißelt. Hier ~> klicken.

Danke!

Der Streckenscreenshot des 20. Tages:

6 thoughts on “Man kann auch mal Glück haben [SoSo] | #flussnoten


  1. he ihr beiden,
    werde trotz des monuments kein twitter fan sein!
    haha – morgen beginnt meine tour: erst zu brandstifters mit 1 woche kinderunterhaltung, fotoausstellung in der walpoden akademie und dann gleich runter für 3 wochen zum bodensee – salem2salem – symposion und künstleraustausch mit den usa. voller august
    schicke ab und zu mails zu euch nach hause!
    so long hf


    1. Ja, gerne, tu das. Ist wie privat bloggen 🙂
      Danke, dass du mitgewandert bist!! Gute Tage und Erfahrungen wünschen wir dir herzlich.


  2. Ich freu‘ mich, dass ihr es so schön auslaufen lassen könnt, dass euch die Strecke diesen Ausklang gönnt.
    Und vielen Dank für die lieben Widnau-Grüße, die ich gerade in Eurem Twitter-Fenster hier im Blog lesen durfte.
    Dir, Frau SoSo, wünsche ich besonders, dass die Reise viel für den anstehenden Alltag gibt.


    1. Danke dir, lieber Kai. Ich habe viel mehr Lebensfreude und -energie als vor der Reise. Und bin zuversichtlicher.


  3. das klingt so gut. ob es nicht tatsächlich so ist, dass die viele gute energie aus den vielen guten wünschen und gedanken, die dinge etwas lenkt?
    da muss ich mal drauf rumdenken.
    euch jedenfalls ganz lieben dank für die grußkunst im briefkasten. 🙂 schon unsere zweite!
    und der brückenpfeiler – tolle idee.
    liebgrüß kerstin


    1. Daran glaube ich sehr! Wir fühlten uns getragen von euch allen, auch in all den schweißtreibenden Stunden offline. Sehr sogar!
      Danke euch!!!

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