Die große Mompé Medel Show | #flussnoten

[Irli] Ein Strohbesen, eine Schubkarre, Schneeschippe, ein blauer Kanister halbvoll Irgendwas, ein roter Kanister, auf dem ‚Aktion‘ steht, komische Metallteile an der Decke, Stallfenster nach Süden … vergiss das Telefonbuch nicht!Ältere Zeitgenossen werden sich an DIE 1970er und 1980er Jahre Show ‚Am Laufenden Band‘ mit Rudi Carell erinnern. Der Gewinner des anderthalbstündigen Fernsehquiz sitzt am Ende der Show auf der Bühne vor einem Fließband, auf dem all die tollen Konsumgüter seiner Zeit vorbeiziehen. Danach hat er eine Minute Zeit, aufzuzählen, was er sich davon merken konnte und gewinnt die Dinge, die er nennt.

Eine Stallwand mit zwei Fenstern nach Norden, garstige Berge, Schnee leckt in den Mulden und züngelt am Tal, rote Katze, fünfzehnjährig, zwei sechs Meter lange orangene Rohre mit selbstgebohrten Löchern, Waschmaschine, vergiss die Waschmaschine nicht.

Es riecht nach Kuhmist. Der Stall wurde gestern erst mit dem Hochdruckreiniger ausgespritzt, der Besitzer, G. hatte die Kippfenster ausgebaut und mit Dampf gereinigt. Nun putzt er die Fenstergewände und hängt alles wieder ein.

Vier Kälbertränken, fast kniehoch. Im Schneidersitz könnten wir daraus trinken, acht grüne Kuhtränken aus Kunststoff, ein Allradautomodell mit Anhänger – das darf man auf keinen Fall vergessen bei unserer Ausgabe des ‚Laufenden Bands‘. Dahinter verbirgt sich, wie beim Telefonbuch ein Symbolpreis. Wer das Allradauto mit Anhänger nennt, gewinnt eine Freifahrt runter ins Dorf nach Disentis. Zusammen mit G. auf einer unendlich schmalen, gewundenen Straße, die durch einen fünfhundert Meter langen einspurigen Tunnel hinunter auf die Lukmanierpassstraße führt. G. wird von den Portugiesen erzählen, wie sie einst als Gastarbeiter ins Tal kamen, von den vielen alten Trassen, die immer wieder neu über Brücken und Tunnel gebaut wurden, um die Stauseebaustelle oben am Lukmanier für Lastfahrzeuge zu erschließen. Dass man anfangs in den 1950ern noch mit Pferdekutschen und im Winter mit Schlitten auf den engen Straßen fuhr und dass diese nicht rückwärts fahren konnten bis zu einer der Ausweichstellen auf den vom Pfad zum Weg gewachsenen Strecken. Wegen der Schlitten musste man im Winter Schnee in die Tunnel schaufeln.

Ein Elektromotor, ein komisches Ding mit Baustahlstäben, das aussieht wie ein überdimensioniertes Grillgitter, rote Katze, ah die hattest du schon, besser zweimal, als keinmal. Das Band läuft und läuft und läuft. Deine inneren Seelenscheinwerfer machen dich schwitzen und hinter all dem Licht verbirgt sich ein imaginäres Pubilkum, mucksmäuschenstill.

Ein Regenschauer aufs Blechdach, den braucht zwar niemand, aber er steht auf dem Band, den nehmen wir mit, Schlafsäcke, Zelt, Liebste, Stalltür, Weidezaunstäbe, die acht Kühe sind auf der Alm, ein selbstgemachter Reisigbesen. Nicht vergessen darfst du Utas Namen, der megagroß auf einer Dankeskarte geschrieben steht, sags besser zweimal: UTA, UTA, was auch immer sich dahinter versteckt, ach ja und zu guter Letzt das Fragezeichen, obligatorisch bei jeder ‚Das Laufende Band Show‘, ein orangener (?) Würfel mit Fragezeichen, hinter dem eine ganz besondere Überraschung steckt.

9 thoughts on “Die große Mompé Medel Show | #flussnoten


  1. he ihr beiden, langweilig wird es euch ja nicht. soso denkt übers schreiben nach und irgendlink spielt memorie. gehirnjogging?
    rückenwind und gutes wetter wünsche ich euch


  2. Die Show kenne ich nicht, aber deine ist ganz grosses Schreibewanderkino! Danke dafür und euch beide für heute trockene Füsse und was ihr euch sonst noch wünscht. Taxi, Autobus?
    herzlichst
    Ulli

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