Tag minus 17 | #flussnoten22

Je näher eine Ferienreise rückt, desto konkreter werden das ’Wie’ und das ’Was’. Das ’Wie’ haben wir gewählt, als wir uns für die Rhône und eine Anreise mit dem Zug auf den Furkapass entschieden. Gegen das Auto sprachen nicht nur die hohen Benzinpreise, sondern auch das damit einher gehende Gebundensein an einen bestimmten Ort. Bei einer Fernwanderung ohne Zielvorgabe weißt du vorher ja nicht, wo du deine Reise beenden wirst und das Auto steht dort, wo du angefangen hast. Außerdem steht es da eine ganze Weile unbeaufsichtigt. Für die Zugreise – auch wenn Zugfahren trotz hoher Benzinpreise in der Schweiz noch immer teurer ist als eine gleichlange Autofahrt –, spricht auch unser Bedürfnis, unsere ökologischen Fußabdrücke so klein wie möglich zu halten. (Selbst mein Mikroauto verbrennt fossile Energie.)

Im gewählten ’Wie’ ist das Wandern inbegriffen: Wir wollen mit Rucksack, Zelt und Schlafsack, mit Reiseküche und in größtmöglicher Autarkie sechzehn Tage in der Natur unterwegs sein.

Wer je mit einem Rucksack länger als nur vom Bahnhof, Flughafen oder Parkplatz ins Hotel, die Pension oder die Ferienwohnung gewandert ist, weiß, dass ein Rucksack – selbst wenn er ergonomisch perfekt passt – mit der Zeit immer schwerer wird.

Je länger du damit rumläufst, desto schwerer wird er – so will es das Gesetz. Dagegen hilft nichts. Umso wichtiger ist es es, sich vor einer Rucksackfernwanderung darüber klar zu werden, was alles wirklich in den Rucksack muss.

Am wichtigsten sind vermutlich Zelt und Küche. Das ’neue’ Zelt, das ich vorletztes Jahr gebraucht gekauft habe, ist ein bisschen schwerer als jenes Reisewanderzelt, mit welchem wir Reuss, Rhein und Aare erwandert haben und welchens Irgendlink schon vor zehn Jahren »Ums Meer« bewohnt hat. Das entscheidende bisschen Mehrgewicht bringt allerdings ziemlich viel mehr Komfort, da es zwei Eingänge hat und ein bisschen mehr Bodenfläche.

Die Bordküche wird ungefähr so umfangreich wie immer sein. Relativ leicht zwar, aber dennoch nicht ohne Gewicht. Die gemeinsamen Sachen (Zelt und Küche) – ungefähren 5-6 kg – werden wir zwischen uns aufteilen und ich hoffe, dass ich es wieder – von Lebensmitteln und Wasser abgesehen – auf maximal plus/minus 10 kg inklusive Rucksackgewicht bringe.

Beim Packen der persönlichen Gegenstände dreht sich – wie so oft im Leben – alles um die alles entscheidende Frage: Was brauche ich wirklich?

Die Frage, ob ich zum Bloggen eine externen Tastatur mitnehmen werde, stellt sich diesmal nicht, denn da meine aktuelle externe Tastatur eh viel zu schwer ist, bleibt sie daheim. Allenfalls, falls Irgendlink seine mitnimmt, werde ich mir diese ab und zu ausleihen. Oder aber ich werden wieder, wie damals bei unsern Reisebloganfängen vor 12 Jahren in Schweden und Norwegen, auf der Handytastatur schreiben. Wie ich das damals auf der aus heutiger Sicht wirklich winzigen iPhone3S-Tastatur bloß geschafft habe?!

Da ich aber vom Handytippsen zeitweilig mit den Sehnenscheiden Probleme bekomme, werde ich vielleicht diesmal mit der Diktierfunktion arbeiten. Oder nur Stichworte tippen und die ausführlichen Texte nachträglich schreiben. Oder vielleicht werde ich Bilder und handgeschriebene Texte fotografieren und diese vorläufig einstellen. Oder mit Audiodateien experimentieren. Schauen wir mal.

Als Necessaire kommt wieder ein Ziplock-Beutel mit, worin sich Kamm, Seife, Zahnpasta und Zahnbürste befinden werden. Mit meiner Dr. Bronners-Seife lassen sich nicht nur die Füße, Hände, Achseln und so weiter waschen, sondern auch die Haare. Außerdem taugt sie auch als Spüli. Sie ist zum Glück 100% biologisch abbaubar. Unsere Kleider waschen wir unterwegs ebenfalls mit Seife und Fluss- oder Brunnenwasser. Oder auch einfach nur mit Wasser.

Neben meiner treuen Wanderhose aus leichtem synthetischem Stoff und mit abzipbaren Hosenbeinen, werde ich wohl wieder nur entweder eine Legging oder eine ultraleichte, lange Bequemhose mitnehmen (für kühle Abende und wenn die Wanderhose gewaschen wird oder sonstwie am Trocknen ist). Zwei Paar Socken, je zwei Mal Unterwäsche, oben und unten, sowie zwei T-Shirts. Dazu ein Langarmpulli, eine Regenjacke, ein Rucksack-Regenschutz und ein Faserpelz kommen mit. Meine Kleider kommen jeweils in durchsichtige 30l-Müllsäcke, damit sie vor Feuchtigkeit geschützt sind und damit ich schnell finde, was ich suche. Ein Sack ist für Sauberwäsche, einer für Dreckwäsche. Auch Irgendlink hat natürlich sein Packsystem im Laufe der Jahre ausgeklügelt.

Außer den Wanderschuhen werde ich vermutlich wieder meine alten Trekkingsandalen oder Badeschlappen mitnehmen, da es zuweilen angenehm ist, die Schuhe wechseln zu können.

Regenponcho ja oder nein? Oder nur die Regenjacke? Das habe ich noch nicht entschieden, aber die hauchdünne, aluminiumbeschichtete Überlebensdecke kommt aber auf jeden Fall mit. Auf ihr sitzt es sich zudem gut, sie ist sehr leicht und kann im Notfall Leben retten.

Zum Handy (= Wanderkarte, GPS, Notizbuch, Bloggerät und Telefon) eigentlich nur Ladegerät, Ladekabel und mein neues Solarpanel, das mir der Liebste zum Geburtstag geschenkt hat. Ich werde mir von ihm eine Powerbank ausleihen oder meine alte mitnehmen, um die Sonnenenergie zwischenzuspeichern. Wobei wir die Handys ja, wann immer möglich, direkt ans Panel hängen. Die Solarpanels lassen sich übrigens großflächig an den Rucksäcken befestigen und tragen, so dass die Tagessonnenenergie ganz unmittelbar gesammelt werden kann.

Meinen Sonnenhut nehme ich auf jeden Fall mit, ebenso die Sonnenbrille, denn ich neige zu Kopfweh bei zu viel Sonne und zu viel Sonnenlicht, das in den Bergen oft noch intensiver strahlt als im Unterland.

Schlafen tun wir seit Jahren in zwei sehr leichten und sehr warmen Kunstfaserschlafsäcken, die sich nur in der Art der Füllung unterscheiden. Meiner ist die ein bisschen wärmere Version, denn Irgendlink friert zum Glück weniger schnell als ich. Meine aktuelle Schlafmatte habe ich von Aldi und sie ist erstaunlich bequem. Eine Aufblasbare mit Luftkammern, die hoffentlich auch diese Saison noch hält. Ob Irgendlink wohl wieder, wie meistens, mit einer leichten, unkaputtbaren Yogamatte unterwegs sein oder aber meine frühere, aufblasbare Matte, die ich ihm geschenkt habe, einsetzen wird?

Zur Küche gehören ein Trangia-Kocher und zwei Töpfe mit einem beschichteten Deckel, der mit Brennsprit geheizt wird. Weiter werden wir je einen Becher, ein Besteckset und ein Schweizer Messer dabei haben und natürlich je einen Teller oder eine Schüssel à la Tupper (mit Deckel) als Essgeschirr und um allfällige Reste gut verpacken zu können. Auch ein Schwamm oder ein Schwammtuch sowie ein Geschirrtuch gehören zur Ausrüstung. Mit einer Gummiwäscheleine oder Schnur bauen wir abends, jedenfalls, wenn es trocken ist, jeweils eine Aufhängung für allfällige feuchtgewordene oder zu trocknende Sachen. Vervollständigt wird unsere Küche von einer kleinen Gewürz- und Zutatenauswahl (Salz, Pfeffer, Kräuter, Essig, Öl). Diese  Küchenausrüstung wird in Stoffsäcken verpackt wie gesagt auf beide Rucksäcke verteilt, ebenso der wechselnde Proviant. Diesen kaufen wir unterwegs frisch. Unsere Kost ist einfach und vollwertig. Für die ersten Tage nehmen wir einen Grundstock mit, abgepackten Reis zum Beispiel, da es im Gebirge wenig Einkaufsmöglichkeiten gibt.

Nach dem Wachwerden gibt’s zu Pulver-Kaffee (er) und frischgepflücktem Blüemli-Tee (sie, äh, ich). Honig und Müesli wird es vielleicht für mich auch dieses Jahr wieder geben, doch mit dem sonst üblichen Frühstücksbrot und Käse sieht es bei mir anders aus, seit ich um meine Histaminunverträglichkeit weiß. Darum habe ich Pfannenbrot erfunden und dieses bei unseren letztjährigen Zeltausflügen bereits erfolgreich getestet. Dieses Jahr gilt es, eine Mehlmischung für sechzehn Tage vorzubereiten und mitzutragen. Etwa 1,2 kg. Oder aber ich ernähre mich von Hafer- und Hirseflocken, Mais- und Reiswaffeln und was immer ich an Verträglichem unterwegs so zu kaufen finden werde.

Ähnliches gibt es auch tagsüber, dazu Kerne, Nüsse, Trockenfrüchte und Obst. Am Abend kochen wir Gemüse aller Art und essen dazu entweder Reis, Nudeln oder ähnliches. Dazu Eier, falls erhältlich und Käse, wenn ich verträgliche Sorten finde. Seit meiner Ernährungsumstellung – und auf unseren Fernwanderungen sowieso – habe ich kaum Lust auf Süßes. Und wenn doch, lässt er sich meist problemlos durch Früchte, frische und getrocknete, stillen. Irgendlink wird sich natürlich seine Goodies trotzdem gönnen.

Eine Reiseapotheke hatten wir bisher noch nie eine dabei, abgesehen von ein paar Blasenpflastern, Anti-Brumm und Sonnenmilch. Ob wir es dieses Mal anders machen werden? Mal schauen.

Hygiene? Nun ja, travelling is a dirty job, wie Freund Ray einst so schön resümmierte. Dennoch wasche ich mich gerne täglich, auch wenn wir nicht auf Zelplätzen duschen können. Ein kurzes Flussbad tut immer gut, auch wenn das Wasser kalt ist.

Meist sind wir ja beim Wandern allein unterwegs, doch natürlich habe ich für alle Fälle auch mein Badezöix im Gepäck. Als Tuch packe ich auch dieses Mal wieder eins meiner schnelltrocknenden, leichten Bali-Tücher ein.

Und ja, natürlich müssen wir auch manchmal pinkeln. Das tun wir in der Pampa. Klopapier lassen wir aber keins liegen, schließlich gibt es Hundekackebeutel. Dahinein legen wir auch den anderen täglichen Müll, auch den aufgelesenen. (Überflüssig zu sagen, dass wir versuchen, so wenig Müll wie möglich zu produzieren.) Fürs große Geschäft suchen wir uns ein stilles Örtchen und budeln uns dort mit einem Zelthering ein Loch, das wir hinterher wieder zuschütten. Erde zu Erde und Staub zu Staub sozuagen.

Ich kann es kaum erwarten! Drückt die Daumen, dass alles klappt und dass das wenige viele Zöix, das wir mitnehmen werden, nicht allzu schwer wiegt und unterwegs nicht immer schwerer wird.

8 thoughts on “Tag minus 17 | #flussnoten22


    1. Schön, dass du wieder mitreist, Danke! Das tut gut.

      Ich freue mich wirklich sehr aufs Wandern. Und aufs Schreiben. Schön, wenn es jemand lesen mag.

      Neben der Vorfreude ist da aber auch die leise Angst, dass ich es nicht mehr schaffe. Immerhin 15 kg auf dem Rücken. Vor drei Jahren das letzte Mal. Frau wird nicht jünger.


      1. heute mit fast siebzig würde ich es mir nicht mehr zutrauen
        aber du wirst sicherlich reinwachsen


    1. Genau, die müssen auch mit, Danke fürs Erinnern! (Ich erinnere mich nicht daran, beim Wandern schonmal Kopfweh gehabt zu haben. Aber das gab es bestimmt schon.

      Ich hoffe, dass du recht hast. Klappenmüssen ist ja eh relativ. 😉


      1. War da nicht mal was auf einem Berg mit einem See daneben und dann war da eine laute Gruppe neben euch und du konntest nicht schlafen? Ich hab so eine vage Erinnerung.
        Sie dabei zu haben, ist vielleicht sinnvoll – aber ich hoffe, du brauchst sie nicht! <3

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.